Im Nachhinein erscheint alles logisch… wichtig ist zu erkennen, welche Informationen vor dem Spiel tatsächlich zur Verfügung standen. Folgender Artikel erklärt, warum das Wissen über die Hindsight- sowie Outcome bias wichtig für deine Post-Match-Analyse ist.

Definition

Hindsight Bias (=Rückschaufehler):
„Das musste ja so kommen“ – im Nachhinein erscheinen die Folgen einer Handlung oder der Ausgang einer Geschichte oft vorbestimmt. Die Tendenz, die Vorhersehbarkeit eines Ereignisses retrospektiv zu überschätzen, wird in der Psychologie als Rückschaufehler (hindsight bias) bezeichnet.[1]

Besonders an der Börse lässt sich das gut beobachten: Stürzt die Aktie überraschend ab, sagen viele, dass sie damit längst gerechnet haben – trotzdem haben sie ihr Depot zuvor weder verkauft noch eifrig Optionen auf sinkende Kurse geordert.[2]

Outcome Bias (=Historikerirrtum):
Unsere Tendenz, Entscheidungen anhand des Ergebnisses zu bewerten – und nicht aufgrund des damaligen Entscheidungsprozesses. Ein Denkfehler, der auch als Historikerirrtum bekannt ist.

Ein klassisches Beispiel ist der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor. Hätte der Militärstützpunkt evakuiert werden sollen oder nicht? Aus heutiger Sicht: ganz klar, denn es gab jede Menge Hinweise, dass ein Angriff unmittelbar bevorstand. Die Signale erscheinen allerdings erst rückblickend so klar. Damals gab es eine Unmenge widersprüchlicher Hinweise. Um die Qualität der Entscheidung zu bewerten, muss man sich in die Informationslage jener Zeit hineinversetzen und alles ausfiltern, was wir nachträglich darüber wissen.[3]

Bedeutung für den Bereich der Sportwetten

Was auf die Börse zutrifft, lässt sich 1 zu 1 auf den Bereich der Sportwetten übertragen. In der Nachbetrachtung folgt der Spielverlauf einer vorhersehbaren Logik und das Ergebnis schien eigentlich von Anfang an klar.

Weiterhin lassen wir uns davon in einem solch hohen Ausmaß beeinflussen, dass wir unsere ursprüngliche Aussage solange uminterpretieren, bis sie zum tatsächlichen Spielausgang passt. Dies verhindert eine saubere Post-Match-Analyse.

Professionelles Mindset

Sei dir des Rückschaufehlers bewusst, wenn du deine Spielnachbetrachtung vornimmst. Gehe nicht zu streng mit dir selbst ins Gericht, wenn sich deine Aussage vor dem Spiel nicht mit deiner Meinung nach dem Spiel deckt:

„Das hätte ich doch wissen müssen! Warum habe ich mich dagegen entschieden?“

Schaue genau, welche Informationen dir vor dem Spiel zur Verfügung standen und welche Komponenten man tatsächlich noch hätte berücksichtigen können, die letztendlich entscheidend zum Spielergebnis geführt haben.

Hast du alle verfügbaren Informationen vor dem Spiel ausgewertet und mit den vorhandenen Quoten auf Value abgeglichen, kannst du dir keinen Vorwurf machen und solltest bei der nächsten vergleichbaren Situation wieder genau so handeln. Selbst wenn du letztes Mal Pech gehabt hast.

Verinnerliche Folgendes: ein schlechtes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass du vor dem Spiel eine schlechte Entscheidung getroffen hast.

Dies gilt genauso in umgekehrter Reihenfolge: ein gutes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass du vorab die richtige Entscheidung getroffen hast.

Vielleicht hast du (bzw. das Team auf welches du gesetzt hast) einfach nur Glück gehabt – obwohl deine Analyse unzureichend und der Value eigentlich zu gering zum Wetten war.
Oft passiert es, dass wir vor dem Spieltag den richtigen Riecher für einen Spielausgang haben, uns aufgrund des niedrigen Values oder anderer triftiger Gründe, jedoch gegen eine Wette auf dieses Spiel entscheiden. Im Nachgang verflucht man dann sich selbst, doch nicht gewettet zu haben:

„Siehst du, ich habe es doch gewusst, der Sieg war sogar deutlich. Warum habe ich nicht gesetzt?“

Vorsicht: auch hier schlägt der Hindsight-Bias zu. Lasse deine – auf einer fundierten Analyse getroffene – Entscheidung im Nachgang nicht schlecht reden (auch nicht von dir selbst).

Selbst wenn das Team gewonnen hat, war es richtig bei deiner Entscheidung zu bleiben, wenn der Value zu gering war (Stick with the plan!). Befolgst du dies nicht, tritt eine Art innere Anarchie und Disziplinlosigkeit ein, die dazu führt, dass du deine Analyse für die nächsten Spiele verwässern und auf zu viele Spiele mit negativem Value setzst. Langfristige Verluste – trotz evtl. kurzfristiger Gewinne – sind die Folge.

Quellen + Links

[1] http://www.decisions.ch/dissertation/diss_rueckschaufehler.html

[2] http://www.wiwo.de/erfolg/trends/hindsight-bias-warum-hinterher-immer-alle-klueger-sind/5302158.html

[3] Die Kunst des klaren Denkens – 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, Rolf Dobelli, 26.09.2011, Hanser Verlag

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