Ein herausstechendes Merkmal blendet uns so sehr, dass der Gesamteindruck in unserer Sportwetten-Analyse positiv/negativ beeinflusst wird. Erfahre in diesem Artikel mehr über diese Überstrahlungseffekte.

Definition

„Störeffekt bei der Einstellungs- und Imagemessung. Die Versuchspersonen lassen sich bei ihrer Einschätzung verschiedener Produkte von übergeordneten Sachverhalten bzw. einem bereits gebildeten Qualitätsurteil (z.B. die Einstellung zu bayerischem Bier wird von der Einstellung zu Bayern dominiert) bzw. von der Beantwortung vorher gestellter Fragen (Ausstrahlungseffekte) leiten.“[1]

Das Pendant zum Halo-Effekt ist der Horn-Effekt (auch Teufelshörner-Effekt genannt). Halo (englischer Begriff für Heiligenschein) zielt auf positive, Horn (vom Musikinstrument, welches in einem Ensemble alle anderen überschallt) auf negative Überstrahlungseffekte ab.

Bedeutung für den Bereich der Sportwetten

Wir lassen uns von einem – herausstechenden – positiven oder negativen Merkmal blenden und schließen von diesem auf auf alle anderen Eigenschaften des Betrachtungsobjekts.

So lässt beispielsweise allein der Begriff „Aufsteiger“ die Bewertung einer Mannschaft negativer ausfallen. Johannes Geis (ehemals FC Schalke 04) beantwortet vor dem Spiel beim Aufsteiger FC Ingolstadt die Frage „Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das nächste Bundesligaspiel in Ingolstadt?“ wie folgt: „In dieser Partie sind drei Punkte für uns Pflicht.“[2] Die Aussage zeigt, dass in unseren Köpfen verankert ist, dass gegen einen Aufsteiger immer gewonnen werden muss. Selbst dann, wenn dieser offensichtliche Stärken aufweist, wie der Spieler im Interview sogar selbst ausführt: „Zu Hause sind sie eine Macht.“ Der Horn-Effekt bewirkt in diesem Fall, dass der Gesamteindruck durch das eine Merkmal „Aufsteiger“ in unverhältnismäßiger Weise beeinflusst und der Gegner somit als schwächer bewertet wird, als er tatsächlich ist.

Die Aussage des damaligen KSC-Trainers Tomas Oral vor dem Spiel gegen den Aufsteiger Würzburg bestätigt, dass viele Teams immer wieder von diesem Denkmuster befallen werden: „Wir dürfen auf gar keinen Fall dorthin fahren und glauben, wir müssten da in jedem Fall gewinnen und alles nach vorne werfen. Da wären wir mit Sicherheit falsch beraten.“ Die Würzburger hätten ein unkontrolliertes Anlaufen der Konkurrenten in den vergangenen Wochen sehr clever ausgenutzt. „Sie haben den Gegner meistens eines Besseren belehrt und immer dann zugeschlagen, wenn die anderen meinten, dass sie jetzt zuschlagen müssen.“[3]

Professionelles Mindset

Nicht nur Spieler, Trainer, Zuschauer, Medien oder Sportwetter fallen in diese Denkgrube, sondern auch Buchmacher. Diese Quotenfehler gilt es auszunutzen.

Wir müssen während unserer Analyse das herausstechende positive oder negative Merkmal (z.B. vermeintlich schwacher Aufsteiger) markieren und dann bewusst ausklammern. Auf diese Weise können wir ganzheitliche Analysen erstellen und alle relevanten Aspekte bewerten, anstatt uns von einem markanten Einzelmerkmal blenden zu lassen. Dieses sollte in der Analyse zwar berücksichtigt, aber auf keinen Fall überbewertet werden.

Quellen + Links

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